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Geschichte der Schwarzwalduhren – Uhrenproduktion

Man kann heute nicht mehr genau feststellen, wann die erste Schwarzwalduhr, und somit die Mutter aller Kuckucksuhren, gebaut wurde. Teilweise wird die Periode von 1670-1720 als Beginn der Schwarzwälder Uhrenproduktion genannt, andere Quellen erwähnen bereits das Jahr 1640 oder gar 1629. Sicher ist, dass sich die Uhrenindustrie im 18. Jahrhundert schnell ausbreitete. Damals war das Zentrum der Uhrenfertigung Furtwangen.

Der bevorzugte Werksstoff war – zum Teil aus zunftrechtlichen Gründen – zunächst Holz, welches für Kästen und Mechanik verwendet wurde. Die Schwarzwälder waren aus langer Tradition im Umgang mit Holz sehr geübt, und besaßen zudem ein gutes Gespür für Produkte, die der ländlichen Bevölkerung einen erfolgversprechenden Zusatzverdienst einbrachten. Die Anfänge der Schwarzwälder Uhrenkunst waren eher pragmatisch und rustikal: Ein früher Vorläufer der heutigen Uhren war die Waagbalkenuhr, eine grobe Holzräderuhr mit offen liegendem Mechanismus, bei der ein hin und her schwingender Holzbalken den Takt angab. Sie verfügte lediglich über einen Stundenzeiger, als Gewicht diente ein Stein. Diese frühen Schwarzwälder Uhren hatten ein 12 Stunden Uhrwerk. Später ersetzten Metall/Messing Zug um Zug die Holzbestandteile des Uhrwerks.

Die geschäftstüchtigen Schwarzwälder vertrieben ihre Uhren bald schon auf den internationalen Handelsrouten, die von der ortsansässigen Glasindustrie genutzt wurden. Vermutlich war es übrigens auch über diese Routen, dass die ersten Uhren aus Böhmen oder anderswo auf dem Rücken der Glasträger in den Schwarzwald gelangt waren, und so die Schwarzwälder Uhrenproduktion überhaupt erst angeregt hatten. Der Beruf des „Glasträgers“ war hoch angesehen, und erforderte auf Grund der Kostbarkeit der Produkte höchste Vertrauenswürdigkeit. Bald gab es auch den Uhrenträger, der mit seinem typischen, hohen Traggestell auf dem Rücken noch heute auf einigen Kuckucksuhren als dekoratives Element zu finden ist. Schwarzwälder Uhrenhändler ließen sich entlang dieser Routen bald europaweit nieder, lagerten zentral und vertrieben erfolgreich im Direktverkauf vor Ort. Die Schwarzwälder Holzuhren waren günstig und verlässlich. Immer mehr Menschen konnten sich Uhren leisten, Wanduhren aller Art wurden zum wichtigen Alltagsgut und der Bedarf wuchs sprunghaft an.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde gleichzeitig der Zeitbedarf für die Herstellung der handgefertigten Uhren erheblich reduziert. Die Erfindung des Spindelbohrers und des Zahnstuhls, sowie die Entstehung von Spezialisten in Nebengewerben trugen dazu wesentlich bei. Gestellmacher, Schildermaler oder Kettenmacher teilten sich die Arbeit und rationalisierten und verbesserten ihrerseits die Produktionsvorgänge. Die Anzahl der Uhren, die pro Arbeiter in einer Woche produziert werden konnte, versechsfachte sich im Zeitraum von 100 Jahren. Die beliebtesten Schwarzwälder Uhren (engl. black forest clocks) waren anfangs nicht die Kuckucksuhren, sondern die Lackschilduhren (Schilderuhren), die ungefähr die Hälfte der Gesamtproduktion ausmachten.

Die Jahre 1800-1840 waren Jahre des grenzenlosen Wachstums. Man stellte bis zu 600.000 Uhren pro Jahr her und verkaufte diese in die ganze Welt. Immer häufiger werdende Vertriebs- und Logistikprobleme wurden durch Großhandelsunternehmen gelöst. Der einzelne Uhrmacher konnte und wollte sich nicht mehr um diese Geschäftsbereiche kümmern. Er war damit ausgelastet, sich um die Produktion der gefragten Uhren zu kümmern, die immer umfangreicher und somit komplizierter wurde. Nach den Krisenjahren und vielen wirtschaftlichen Veränderungen erreichte die Produktion 1870 ca. 1,8 Millionen und 1905 ca. 5,8 Millionen Uhren. 1905 kamen 50% aller weltweit exportierten Großuhren aus dem Schwarzwald. Im Wesentlichen konnte diese Produktionssteigerung dadurch erzielt werden, dass die kleinen Handwerksbetriebe durch große Uhrenfabriken abgelöst wurden.

Nach den beiden Weltkriegen brach der Höhenflug der Schwarzwälder Uhrenproduktion stark ein und konnte nie mehr an die überwältigenden Verkaufszahlen früherer Jahrhunderte anknüpfen. Kunststoff und Quarzmechanismus veränderten ab den 1970er Jahren die Welt der Uhren zusätzlich auf drastische Weise. Heute zeichnet sich eine Trendwende ab. Im Zuge einer Rückbesinnung auf alte Traditionen ist Handwerksqualität wieder gefragt, handwerklich gefertigte Uhren stehen auch international hoch im Kurs. Insbesondere DIE Schwarzwälder Uhr schlechthin, die Kuckucksuhr, erlebt ein weltweites Revival.

Andere Uhren des Schwarzwaldes

Neben den weltbekannten Kuckucksuhren gibt es noch andere traditionelle Schwarzwälder Uhren, von denen Sie auch einige in unserem Shop finden. Die bereits erwähnte Holzräderuhr ist die älteste bekannte Schwarzwalduhr, mit einer Gangreserve von 12 Stunden und nur einem Zeiger.

Im 19. Jahrhundert kam die Lackschilduhr/Schilderuhr auf, die oft von spezialisierten Künstlern aufwändig bemalt wurde.

Als „Jockele Uhr“ bezeichnet man kleine Uhren aus dem späten 18. Jahrhundert, meist winzige Schwarzwälder Schilderührchen mit einem Maß von 6x6x8cm.

Eine noch kleinere Wanduhr ist die nach ihrem Erfinder benannte Sorg-Uhr, die um 1820 entstand.

Die bekannten Figurenuhren entwickelten sich ungefähr zur gleichen Zeit wie die Kuckucksuhren. Sie begeisterten die Menschen mit beweglichen Elementen z.B. Knödelfressern, mähenden Bauern mit Sense oder auch Tierfiguren.

Flöten- oder Musikuhren waren größere Automaten, die meist nach Kundenauftrag gefertigt wurden. Diese Automaten waren ein eindrucksvolles Beispiel für den Tüftlergeist und die Kunstfertigkeit der Schwarzwälder.

Die eleganten Regulatoren waren Ende des 19. Jahrhunderts bis zu den 1930er Jahren eine sehr beliebte Wohnzimmeruhr.

Die Schwarzwälder Wecker mit Metallgehäuse und aufgesetzter Glocke waren bis 1930 der Inbegriff eines Weckers und weltweit sehr beliebt.

Auch die heute sehr beliebte Funkuhr wurde zuerst im Schwarzwald für den Massenmarkt produziert. Bereits seit 1970 experimentierte man im Schwarzwald mit der Funktechnik. Die Firma Junghans brachte 1990 die erste Funkarmbanduhr auf den Markt. Die Funkuhr und die Kuckucksuhr - ungleiche Geschwister aus dem gleichen Kinderbett.

Für Interessierte empfehlen wir folgende Tipps:? Eine Tour entlang der Deutschen Uhrenstraße, die sich entlang der Zentren der Schwarzwälder Uhrenherstellung durch den Schwarzwald zieht. Museen, Werkstätten und Uhrenfabriken gewähren informative Einblicke in Historie und Alltag der Uhrenherstellung. Eine Besonderheit ist das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen. Es ist das umfangreichste Museum seiner Art und beherbergt Tausende von historischen Schwarzwalduhren und anderen Schwarzwälder Uhren. Zudem kann man eine kurzweilige Reise in die Geschichte der Zeitmessung unternehmen.

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